Unser Bienenblog‎ > ‎

Kulturhistorische Bedeutung von Honig

veröffentlicht um 12.03.2018, 03:26 von Stefan Mairhofer   [ aktualisiert: 12.03.2018, 04:35 ]

Honig gilt seit jeher als natürliches Süßungsmittel. Vor der Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben war Honig über Jahrtausende das einzige verfügbare Süßungsmittel. Die Gewinnung von Honig war jedoch nicht einfach und verlangte von den Zeidlern einigen Mut. Vor allem weil die ursprünglichen Bienenrassen um einiges wehrhafter und aggressiver waren als heutige Bienenrassen. Dementsprechend hoch war auch der Stellenwert, welcher dem Honig in den Kulturen eingeräumt wurde. Quer über die ganze Welt wurde Honig als Kultobjekt gehandelt und der Verzehr beziehungsweise die Anwendung war besonderen Anlässen vorbehalten.

Quelle: www.pinterest.es/pin/483925922444469900/
Die ersten Überlieferungen von der Honiggewinnung und dessen Besonderheit stammen übrigens von Höhlenmalereien aus Frankreich. In der Cuevas de la Araña wurde ca. 8.000 v.Ch. die Honiggewinnung zum ersten Mal bildhaft an Höhlenwänden festgehalten (Bildquelle: https://www.pinterest.es/pin/483925922444469900/). Im heutigen Georgien wurde Honig bereits 4.000 v. Ch. als Grabbeigabe den Verstorbenen mit auf Ihrem Weg gegeben. Die Berghänge südlich des Kaukasus sind voll von blühenden Wiesen. Durch die südliche Wärme finden Bienen dort ideale Bedingungen. Damals wie heute hat Honig in Georgien einen hohen Stellenwert. Das geht soweit, dass lokaler georgischer Honig am Flughafen von Tiflis den Reisenden als Geschenk für Angehörige angeboten wird.

Im alten Ägypten ist Honig ebenfalls als Grabbeigabe dokumentiert. Die Ägypter erkannten bereits die antibakterielle und antimykotische Wirkung von Honig. So wurden die Mumien mit Honig einbalsamiert, um sie vor Verwesung zu schützen.

Etwas weiter östlich, im Kulturkreis von Buddhismus und Hinduismus, finden wir Bienen und Honig ebenfalls in den mythischen Legenden. Im Honig-Vollmond-Fest, Modhu Purnima, wird Buddhas Durchquerung der Wildnis gedacht, um Frieden zwischen den Stämmen zu bringen. Während der Durchquerung wurde er von einem Elefanten und einem Affen begleitet. Der Elefant versorgte ihn mit Früchten, der Affe brachte ihm Honigwaben zur Stärkung. Beiden war eine Wiedergeburt im Trayastrimsa, eine Art Himmel, vergönnt.

In den Abrahamitischen Religionen wird dem Honig ebenfalls heilende Wirkung zugeschrieben. Im Alten Testament wird das Paradies als das Land, in dem Milch und Honig fließt, gepriesen. Diese Überlieferungen prägen sowohl Judentum, Christentum als auch den Islam. Sowohl im Judentum als auch im Islam wird Honig zu Hochzeiten aufgetischt und soll die Süße des Ehelebens symbolisieren. In Marokko werden die Hochzeitsgäste mit Honig, Datteln, Milch und Eier verköstigt, was der Paradiesvorstellung im Alten Testament sehr nahe kommt. Im Christenturm wird der Fleiß der Bienen beim höchsten Gottesdienst im Jahreskreis gewürdigt. Bei der Entzündung der Osterkerze als Symbol der Auferstehung heißt es: „(…) aus dem köstlichen Wachs der Bienen wird sie dir dargebracht von deiner heiligen Kirche durch die Hand ihrer Diener (…) denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat (...)“  Der Fleiß der Bienen, die Ordnung des Bienenstaates, die Süße und der Wohlgeschmacks aber auch der Nährwert des Honigs werden in der Bibel häufig gewürdigt.

Honig ist somit seit Jahrtausenden ein besonderes Produkt mit hohem kulturellen Status, quer über den Globus. Als Imker sind wir nur (wenn überhaupt) ein kleiner Teil dieser kulturellen Entwicklung. Sicher ist es uns nicht möglich, als einzelner die Weiterentwicklung zu steuern. Dennoch ist es etwas besonders sich in dieser langen Historie anzureihen und mit Würde den Stellenwert der Bienen und deren Produkte weiterzutragen.

Imkerei Mairhofer, Ebbs

Comments